Geschichte der Bundesliga

Das bisherige Bundesliga-Logo seit 2003
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Am 28. Juli 1962 wurde im Goldsaal der Dortmunder Westfalenhalle ein Stück Fußballgeschichte geschrieben. Denn jener Tag gilt als die Geburtsstunde der Bundesliga. Auf dem Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes beschlossen die Delegierten der einzelnen Landesverbände des DFB die Gründung der Bundesliga und ihre Einführung zur Saison 1963/64. Die Wahl zur neuen höchsten deutschen Spielklasse als einer gesamtdeutschen Liga fiel mit 103 Ja-Stimmen bei 26 Gegenstimmen aus.



Als am 24. August 1963 schließlich der erste Spieltag in der Bundesliga-Geschichte angepfiffen wurde und nach nur 58 Sekunden das erste Tor in der Historie der Liga durch Dortmunds Timo Konietzka fiel, lagen arbeitsreiche Jahre hinter den Verantwortlichen der Bundesliga, in denen die Ordnung und Struktur der Ligen in Deutschland festgelegt wurden. Die Idee der einen, einheitlichen Liga, die einige Visionäre schon Jahrzehnte zuvor hatten, war endlich Wirklichkeit geworden.

Erste Bemühungen

Die ersten Pläne für eine gesamtdeutsche Liga lagen bereits 1932 vor. Der damalige DFB-Präsident Felix Linnemann hatte den Wunsch nach einer "Reichsliga" geäußert, einer Liga, in der die besten deutschen Vereine den Deutschen Meister ausspielen sollten. Doch die Regionalverbände wehrten sich gegen die Idee und verweigerten ihre Zustimmung.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Spielbetrieb in Westdeutschland in mehreren Oberligen, die als höchste Spielklasse fungierten, aufgenommen. Die Meister der einzelnen Staffeln spielten dann den Deutschen Meister aus. In der DDR gab es bereits ab der Saison 1949/50 eine einheitliche Liga.

Das Oberliga-System brachte zwei große Schwierigkeiten mit sich. In einer Zeit, in der mehr und mehr Vereine dem Profitum zusprachen, entwickelte sich eine Art Zweiklassengesellschaft. Jede Oberliga hatte einige wenige Mannschaften, die die Staffel dominierten. Es mangelte an Konkurrenz, was zur Folge hatte, dass die deutschen Vereine im internationalen Vergleich meist nur hinterherliefen. Die Clubs aus Spanien, Italien und England - also aus Ländern, in denen bereits nationale Profiligen eingeführt worden waren - dominierten die europäischen Wettbewerbe.

Drei Visionäre

Insbesondere Franz Kremer machte sich stark für das Thema Bundesliga. Schon 1949 sprach sich der damalige Präsident des 1. FC Köln für eine gesamtdeutsche Liga aus und war Vorsitzender der "Interessengemeinschaft Bundesliga und Berufs-Fußball". Doch ein erneuter Versuch, eine nicht-gestaffelte Liga in Westdeutschland zu gründen, scheiterte auf der DFB-Tagung in Frankfurt/Main 1958.

Die Idee einer einheitlichen deutschen Profiliga fand trotz dieser Absage wieder neuen Nährboden und immer mehr Fürsprecher. Die Saat für die Bundesliga war gestreut. Kremer fand prominente Unterstützung in Bundestrainer Sepp Herberger und dem späteren DFB-Präsidenten Hermann Neuberger. Während Neuberger sich vor allem für die Idee stark machte, die besten Vereine zu vereinen und damit den Markt und die Qualität des Fußballs zu stärken und zu verbessern, bemängelte Herberger im vorherrschenden Ligensystem die zurückgehende Zahl an guten Spielern für die Nationalmannschaft. Als Beweis dafür diente schließlich das enttäuschende Viertelfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft in Chile 1962.

Auswahlverfahren nach verschiedenen Kriterien

Wenige Wochen später hatte das Bestreben von Kremer, Neuberger und Herberger endlich Erfolg. Man einigte sich auf die Schaffung einer 16 Mannschaften starken Liga, wobei je fünf Vertreter aus den Oberligen Süd und West in die Bundesliga aufgenommen werden sollten, dazu drei Vereine aus der Nord-Staffel sowie zwei aus der Oberliga Südwest und ein Club aus der Stadtliga Berlin. Sowohl sportliche als auch wirtschaftliche und infrastrukturelle Kriterien waren ausschlaggebend für die Qualifikation zur Bundesliga. Zudem sollte bei Liga-Gründung nur ein Verein pro Stadt dabei sein.

Für das sportliche Abschneiden verwendete der DFB einen komplizierten Schlüssel. Die Ergebnisse aller Vereine aus den Oberliga-Spielzeiten 1951/52 bis 1954/55 wurden einfach, die der Spielzeiten 1955/56 bis 1958/59 doppelt und die der Spielzeiten 1959/60 bis 1962/63 dreifach gewertet. Hinzu kamen Zusatzpunkte für das Erreichen von Meisterschaftsendrunden und Pokalendspielen. 46 der 74 Oberliga-Vereine bewarben sich daraufhin für die Teilnahme an der Debütsaison der Bundesliga.

Nachdem 15 Clubs bereits frühzeitig aus dem Rennen genommen wurden, gab der DFB am 11. Januar 1963 den folgenden Vereinen grünes Licht für die Bundesliga: 1. FC Köln, Hamburger SV, FC Schalke 04, Borussia Dortmund, Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC, 1. FC Nürnberg und 1. FC Saarbrücken. Am 6. Mai 1963 erhielten sieben weitere Vereine das "Ja-Wort" zur Bundesliga: Eintracht Braunschweig, Meidericher SV (später MSV Duisburg), 1. FC Kaiserslautern, Karlsruher SC, SC Preußen Münster, TSV 1860 München und VfB Stuttgart.

Das neue Bundesliga-Logo ab der Saison 2010/11
Das neue Bundesliga-Logo ab der Saison 2010/11

Schwarzes Jahr - Goldenes Jahrzehnt

Der rasante Aufstieg des Profifußballs in Deutschland ließ sich nicht aufhalten - auch nicht von der wohl schwärzesten Stunde der Bundesliga. Am 6. Juni 1971 sprach Horst-Gregorio Canellas, der damalige Präsident des OFC Kickers, auf einer Feier zu seinem 50. Geburtstag über die Manipulationen von Punktspielen. Der Bundesliga-Skandal erschütterte die Nation. Laut Ermittlungen des DFB sollten 18 Spiele an den acht letzten Spieltagen der Saison 1970/71 manipuliert werden. Zwei Trainer, sechs Vereinsfunktionäre und 52 Spieler wurden daraufhin gesperrt und zu Geldstrafen verurteilt. Dazu wurden Arminia Bielefeld und den Offenbacher Kickers die Bundesliga-Lizenz entzogen. Zwar straften die Fußballfans die Vereine für den Bundesliga-Skandal mit rückläufigen Zuschauerzahlen, doch mit dem Weltmeistertitel der deutschen Nationalmannschaft im eigenen Land 1974 kehrte das Fußballfieber - und damit auch das Bundesliga-Fieber - wieder zurück.

Der Stellenwert des in der Bundesliga gespielten Fußballs gewann in den 1970er Jahren zunehmend an Bedeutung. In jedem Jahr des Jahrzehnts stand eine deutsche Mannschaft mindestens im Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs. Sieben Mal gewannen Bundesliga-Clubs sogar internationale Wettbewerbe. In den 1980er Jahren erreichten die Bundesligisten je vier Mal das Finale des UEFA-Pokals und des Europapokals der Landesmeister (später Champions League). Auf nationaler Ebene avancierte der FC Bayern München mit dem Gewinn seiner zehnten Deutschen Meisterschaft - der neunten seit Gründung der Bundesliga - in der Saison 1986/87 endgültig zum alleinigen Rekordmeister.

Einheit Deutschlands und DFL

Wenige Jahre später vereinte sich Deutschland. 1991 trat der Deutsche Fußball-Verband der DDR (DFV) dem DFB bei und 1991/92 spielten mit Hansa Rostock und Dynamo Dresden erstmals zwei Vereine aus der ehemaligen DDR in der für eine Spielzeit auf 20 Teams aufgestockten Bundesliga.

Ein weiterer Meilenstein in der Bundesliga-Geschichte war die Gründung des Ligaverbandes am 18. Dezember 2000 in Frankfurt am Main. Damit fanden nach fast 39 Jahren die Bundesliga und 2. Bundesliga den Weg in die Eigenständigkeit. Dem eingetragenen Verein gehören alle aktuellen Mitglieder der Bundesliga und 2. Bundesliga als gleichberechtigte Partner an. Im Mai 2001 erfolgte dann die Gründung der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH, die eine hundertprozentige Tochter des Ligaverbandes ist und für die operativen Aufgaben Spielbetrieb, Lizenzierung und Vermarktung verantwortlich zeichnet.

Mit den zusätzlichen Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft in den 1990er und 2000er Jahren und der weiteren Eroberung und Ausweitung des TV-Markts schnellte das Interesse an der Bundesliga weiterhin in die Höhe. So verzeichnete der Profifußball in der Saison 2008/09 den achten Zuschauerrekord in Folge mit insgesamt 17,58 Millionen Besuchern in der Bundesliga und der 2. Bundesliga - und war damit populärer als die Konkurrenz in England, Spanien und Italien.

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